Luchse leben gefährlich

Auf dem Vormarsch – und verfolgt!?

Tatort-Kommissar Mario Kopper alias Schauspieler Andreas Hoppe ermittelt im Bayerischen Wald. Dort werden noch immer Luchse erschossen und vergiftet.

Auf dem Deutschen Naturschutztag Anfang September in Mainz war die Rückkehr der großen Fleischfresser natürlich auch ein Thema. Ilka Reinhardt vom Institut LUPUS zeigte eindrucksvoll auf, wie die Wolfspopulation aus der Lausitz nun auch die westdeutschen Räume besiedelt: an der Elbe, in der Lüneburger Heide und an der Wesermündung haben sich bereits Paare angesiedelt. „Ganz Deutschland ist Wolfserwartungsland“ muss man tatsächlich sagen. Wie das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz berichtet, gab es jedoch in den 15 Jahren, seit die Wölfe in Deutschland wieder heimisch werden, keinen Vorfall bei einer Begegnung mit Menschen. Selbst die Wolfsforscher bekommen die Tiere quasi nie direkt zu Gesicht.

Auch die Luchse und sogar die Braun-Bären sind wieder auf dem Vormarsch. Ein Braunbär aus der Schweizer Population hat vor kurzem die Allgäuer Alpen besucht, wie ein DNT-Teilnehmer berichtete. Hoffentlich ist er in Bayern willkommen! In der Süddeutschen Zeitung vom 23.08.2014 warb die „Bärenstadt Grafenau“ mit einer „Wellness-Safari“ zum „Auspannen in der Wildnis“. Im Bayerischen Wald könne man Wölfe, Luchse und Bären mit einem Ranger in deren natürlichen Lebensraum beobachten. Es kann damit eigentlich nur der schöne Tierpark der Stadt gemeint sein, wohl kaum die freie Natur, dazu sind die Luchse sowie Wölfe und Bären (wenn durchziehend) viel zu schwer zu sehen.

Eurasischer-Luchs-Lynx-lynx

Der Luchs ist im Bayerischen Wald und dem unmittelbar angrenzenden Sumava-Nationalpark mit rd. 50 adulten Tieren heimisch, doch die Population um die beiden Parke nimmt nicht zu. „Jungtiere, die aus ihnen abwandern und sich ein eigenes Revier suchen, schaffen es nur ganz selten weiter als 70 Kilometer“ (…) „dann verschwinden sie“, so Jörg Müller, stellvertretender Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Zu viele Luchse werden noch immer von Jägern getötet, ein vergiftetes Muttertier in 2012 und der Abschuss einer trächtigen Luchsin in 2013 waren wohl nur die Spitze des Eisbergs. Seit in Tschechien „Nachmeldungen“ von getöteten (gewilderten) Luchsen straffrei bleiben, wurden den Behörden 62 Luchstötungen gemeldet. „Nach aller Erfahrung, so Müller, ist die Dunkelziffer weitaus höher“.

Andreas Hoppe deckte in einer Dokumentation für den Bayerischen Rundfunk auf, dass dahinter ein ganzes Geflecht von Luchs- und Nationalpark-Gegnern steckt. Park-Vizechef Müller sieht den Freistaat Bayern in der Pflicht, besser für den Jagdschutz und die Auswilderung von Luchsen zu sorgen. Dies muss für diese Tiere natürlich deutschland- und europaweit gelten!

Ich war da!

Im Jahr 2001 war ich das erste Mal im Nationalpark Bayerischer Wald, der damals auch noch ein UNESCO-Biosphärenreservat war. Ich stellte damals mein Forschungsvorhaben zur Regionalvermarktung der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Biosphärenreservate (AGBR) vor, deren Leitung seinerzeit Herr Mayerl vom Bayerischen Umweltministerium innehatte. Wir wanderten mit der ganzen Gruppe auf den Lusen, der von den berühmten abgestorbenen, vom Borkenkäfer geschädigten Fichtenwäldern umgeben ist, aus denen jedoch heute wieder der junge Bergwald emporwächst. Um dieses Musterbeispiel von „Natur Natur sein lassen“, das Motto der Nationalparke, gab es ja schon viele Diskussionen. Vielleicht war dies die Ursache, warum der Nationalpark nie wirklich ein Biosphärenreservat wurde, denn für eine nachhaltige Regionalentwicklung braucht es die Unterstützung der Bevölkerung, und die hat der Nationalpark Bayerischer Wald leider bis heute in Teilen der Bevölkerung nicht erreicht.

Neue Nationalparke

Neuere Nationalparke, wie der NP Kellerwald-Edersee in Hessen und der NP Hainich in Thüringen können heute eine deutlich höhere Akzeptanz verzeichnen. Die zukünftigen Nationalparke Nordschwarzwald und Hunsrück, den ich zu Beginn mit angeschoben habe, werden hoffentlich ebenfalls Modellregionen für eine nachhaltige Regionalentwicklung sein. Dafür sollte eine aktive Beteiligung und Einbindung der Bevölkerung sorgen, wie sie im Hunsrück durch den Freundeskreis Nationalpark Hunsrück e.V. vertreten wird.

Quelle: Sebald, Christian (2014): Tatort Luchswald. Süddeutsche Zeitung, 23.08.2014

Zu den Luchsen im Bayerischen Wald:

Bayerischer Rundfunk (Beitrag vom 26.07.2014)

Nationalpark Bayerischer Wald

Luchsprojekt

Luchse erleben